Die Stichwahl 2008 in der Chronik
Eine Prognose, ein Wahlabend, eine Bestätigung: Am 11. Februar 2008 hielt der Eichenzell-Blog fest, dass Dieter Kolb die Stichwahl mit 62,9 Prozent gewonnen hatte. Die Chronik dieses Februars.
Diese Seite liegt auf einem überlieferten Pfad des Dorfblogs. Der Text ist eine neue Einordnung der heutigen Redaktion, geschrieben 11. Februar 2008 und eingeordnet in Geschichte.
Am 11. Februar 2008 erschien unter dieser Adresse der Abschlussbericht eines Dorfwahlkampfs: Dieter Kolb gewinnt die Stichwahl mit 62,9 Prozent, die Prognose vom 4. Februar wurde bestätigt. Der Titel der alten Seite trägt beide Zahlen, und er trägt die Freude eines Blogs, das richtig gelegen hatte. Diese Chronikseite ordnet den Februar ein, ohne den alten Text zu wiederholen.
Der Winter davor
Die Stichwahl war der Schlusspunkt einer Reihe, die im Herbst 2007 begann. Sechs Online-Interviews waren erschienen, in denen die Kandidaten nacheinander dieselben Fragen beantwortet hatten; hinzu kamen Vergleichsseiten zu Themen von der Familienpolitik über die Wirtschaftspolitik bis zur Gewerbesteuer. Im Januar verdichtete sich die Berichterstattung zur Umfrage: Eine Meinungsumfrage Mitte Januar ergab laut damaliger Seite, dass rund 35 Prozent der Eichenzeller unentschieden waren, und die Wahlbeteiligung um 12 Uhr des Wahltags wurde mit 21,6 Prozent festgehalten.
Am 27. Januar gewann Dieter Kolb die erste Runde; der Bericht der überlieferten Adresse nennt das Ergebnis der Runde. Damit war die Stichwahl angesetzt, das Blog fragte nach Prognosen, schaltete eine neue Umfrage und begleitete die letzte Woche mit einem siebten Interview und den Terminen der Kandidaten.
Der 4. Februar: die Prognose
Am 4. Februar erschien die Seite, die später zitiert werden sollte: eine Prognose, die den Wahlausgang vorhersagte. Ob sie auf Hochrechnungen, auf dem Gespräch am Markt oder auf beidem beruhte, schreibt die Überlieferung nicht vor; erhalten ist die Zahl und ihr Datum. Für ein Dorfmedium war die Prognose ein Wagnis, denn das Publikum besteht aus Nachbarn, und Nachbarn vergessen nichts.

Der 11. Februar: die Bestätigung
Eine Woche später war die Auszählung durch, und die Rechnung ging auf: 62,9 Prozent für den Sieger, die Prognose vom 4. Februar bestätigt. Der Bericht unter dieser Adresse vermerkte die Übereinstimmung ausdrücklich. Für die lokale Bloggeschichte ist das ein kleiner Rekord: ein Dorfblog, das eine Stichwahl vorher sagt und das Ergebnis am Wahlabend belegt.
Für die Gemeinde begann damit eine neue Amtszeit, für das Blog eine neue Rolle. Es war vom Begleiter des Wahlkampfs zum Chronisten des Alltags geworden; wie es danach weiterging, erzählt die Dorfchronik nach Jahren.
Was die Stichwahl heute bedeutet
Achtzehn Jahre später ist der Februar 2008 Zeitgeschichte, erzählt in Kirchenchroniken, Vereinsarchiven und Gemeindeblättern. Was die online überlieferten Adressen hinzufügen, ist die Reihenfolge der Debatte: die Fragen vor den Antworten, die Umfragen vor dem Ergebnis, die Prognose vor der Bestätigung. Genau diese Reihenfolge macht Wahlkampfgeschichten verlässlich, und genau sie lässt sich im Netz konservieren.
Was eine Stichwahl mit einem Dorf macht
Eine Stichwahl ist eine kommunale Besonderheit mit sozialer Nebenwirkung: Zwei Wochen lang hat das Dorf nur noch zwei Lager, und die Lager wohnen nebeneinander. Die Kaffeetische sortieren sich, die Gesprächsthemen verengen sich, und der Wahlkampf wird persönlicher, weil die Argumente verbraucht sind und die Sympathien zählen. Wer eine Stichwahl miterlebt hat, weiß, warum Gemeinden danach Versöhnungsarbeit brauchen.
Die Beteiligung erzählt dabei ihre eigene Geschichte. Bei der Wahl 2008 wurde die Beteiligung um die Mittagszeit veröffentlicht, eine Angewohnheit, die den Tag zum Ereignis machte: Man wusste am Nachmittag, ob die Nachbarn gehen. Am Abend zählte dann nur noch die Auszählung, und die Turnhalle war der Ort, an dem das Dorf sich selbst sah, in Reihen, vor Tafeln, mit Strichlisten.
Der Sieger einer Stichwahl hat eine besondere Pflicht: Er hat die Stimmen derer, die ihn erst in der zweiten Runde gewählt haben, nicht selbstverständlich errungen. Umgekehrt gilt für den Unterlegenen, dass eine Niederlage im Dorf keine ist, wenn die Arbeit weitergeht. Beides haben die Jahrgänge danach gezeigt.
Nachtragen lässt sich noch die Frage nach dem Unterlegenen jeder Stichwahl: Die Wahlnacht endet für einen der beiden mit einer Dankesrede, die niemand hören will, und mit einem Applaus, der ehrlich gemeint ist. Die Dorfordnung verlangt danach, dass der Morgen danach ein gewöhnlicher Morgen ist. Die überlieferten Adressen des Winters 2008 zeigen, dass das Blog diesen Morgen respektiert hat: Es reihte den Wahlabend ein und machte weiter.
Der Anfang dieser Reihe steht in unserer Erinnerung an den Start des Wahlkampfblogs im Oktober 2007. Die wirtschaftlichen Themen jenes Winters erklärt unser Beitrag zur Gewerbesteuer in Eichenzell. Und die lange Vorgeschichte des Dorfes, in die jede Wahl eingelassen ist, versammelt die Rubrik zur Geschichte von Eichenzell.
Redaktion Eichenzell-Blog
Das Dorfmagazin aus dem Fuldatal. Hinweise und Korrekturen an [email protected].